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Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettopolicen

von | Aug 5, 2019 | Lebensversicherung | 0 Kommentare

Fragt man nach, sind eine unabhängige Beratung und durchgehende Kostentransparenz zwei Eigenschaften, die sich Verbraucher beim Abschluss einer Versicherung wünschen. Ein relativ neues Produkt auf dem Markt sind Nettopolicen, die im Gegensatz zu den klassischen Provisionsprodukten, wie sie immer noch mehrheitlich in Deutschland verkauft werden, auf Honorarbasis geschlossen werden. Das heißt: Statt der Provisionskosten, die mit den Beiträgen sukzessive abbezahlt werden, fällt einmalig ein festes Honorar an. Sind Nettopolicen tatsächlich rentabler und wie sieht der Transparenzgewinn genau aus? Worin unterscheiden sich Bruttopolice und Nettopolice? In unserem Beitrag machen wir den Vergleich.

Grundsätzlich sind die Vertragsbedingungen von Nettopolicen und Bruttopolicen identisch. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Tarifarten besteht im Vergütungsmodell für die Dienstleistungen des Versicherungsmaklers, -vermittlers oder des Versicherungsberaters. Es hat also nichts mit dem Brutto- beziehungsweise Nettogehalt zu tun. Die Begrifflichkeit kommt wahrscheinlich daher, dass aus Versichertensicht bei einer Nettopolice annähernd die gesamten Beiträge in die Versicherungssumme (Auszahlsumme) fließen. Bei der Bruttopolice müssen die Provisionen, Vertriebs- und Verwaltungskosten noch abgezogen werden.

Übrigens: Während Honorarberatung für Privatkunden noch immer die Ausnahme ist, spielt sie im gewerblichen Sektor bereits eine größere Rolle.

Die Zahl der Versicherungsberater, die auch auf Honorarbasis arbeiten, ist vergleichsweise gering. Dabei bietet die Versicherungsexperten von LVoptimal.de für den Versicherten einige Vorteile. So kann sie den Kunden individuell darüber beraten und den passenden Tarif vermitteln, ohne abhängig von zu erzielenden Provisionen zu sein. Eine Prüfung Ihrer Lebensversicherung durch LVoptimal.de kann im Einzelfall auch bedeuten, dass ein Provisionstarif besser ist. Auch wenn Nettopolicen viele Vorteile bieten, muss er nicht immer automatisch für jeden Versicherungsnehmer die optimale Wahl sein, um die Rendite zu steigern oder Kosten zu senken.

Ein großer Unterschied liegt aber bereits in der Verteilung bei den Gesamtverträgen. Aktuell sind von allen bestehenden Altersvorsorgeprodukten wie Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen über 95 Prozent Bruttopolicen. Das lässt sich unter anderem damit begründen, dass Nettopolicen noch relativ neu und unbekannt sind und nur von wenigen Versicherern angeboten werden. Zum anderen sind Bruttopolicen meist um einiges lukrativer für den Anbieter, da er mit ihnen höhere Vergütungen erzielen kann.

Was sind Nettopolicen?

Bei Nettopolicen handelt es sich um relativ neue und provisionsfreie Versicherungspolicen, die ohne Provisionen kalkuliert werden und insgesamt kosteneffizienter arbeiten. Die Besonderheit der Nettopolice besteht darin, dass die Versicherungspolice nicht wie üblich einen Provisionsanteil für die Vermittlung und Beratung des Versicherungsvertrages enthält. Vielmehr wird die Vergütung dafür separat in einer Honorarvereinbarung geregelt.

Im Gegensatz zur Bruttopolice werden die Beiträge in eine Nettopolice nur durch Verwaltungskosten reduziert, die hier durch schlankere Strukturen weitaus geringer ausfallen, da die Bearbeitung der Abschluss- beziehungsweise laufenden Bestandsprovisionen wegfallen.

Die Gebühren der Honorarberatungen hängen vom Beratungsaufwand ab und variieren von Beratung zu Beratung. Häufig werden sie in Stunden abgerechnet. So reicht die Spanne bei der Vermittlungsgebühr von wenigen hundert Euro bis zu mehreren tausend Euro.

Mittlerweile werden Nettopolicen für alle staatlich geförderten Altersvorsorgewege wie Riester- oder Basisrente (Rürup-Rente), die betriebliche Altersversorgung, die Berufsunfähigkeitsversicherung sowie für die privaten Renten- und Lebensversicherungen angeboten.

Wichtige Anbieter von Nettopolicen in Deutschland:

Continentale Lebensversicherung

  • Volkswohl Bund Lebensversicherung
  • Alte Leipziger Lebensversicherung
  • InterRisk Lebensversicherung

Was sind Bruttopolicen?

Bruttopolicen oder Provisionstarife sind in Deutschland sehr weit verbreitet. Eine Bruttopolice beinhaltet neben den Verwaltungskosten auch Vertriebskosten wie Abschluss- und Bestandsprovisionen für den Versicherungsmakler. Diese sind nicht transparent, da sie nicht extra ausgewiesen wird, sondern verteilt auf die ersten fünf Jahre aus den Beiträgen zur abgeschlossenen Lebensversicherung etc. finanziert und an den Vermittler weitergeleitet wird. Ein Produktkostenvergleich ist dadurch nahezu unmöglich.

Dass die Beratung nicht kostenlos ist, wird den meisten erst dann bewusst, wenn bei einer vorzeitigen Kündigung nur ein verhältnismäßig niedriger Rückkaufswert herauskommt, der womöglich noch unterhalb der gezahlten Beträge liegt. Da etwa jeder Zweite seine Lebensversicherung vor dem Laufzeitende kündigt, betrifft es viele Versicherte.

Übliche Abschlusskosten bei Bruttopolicen liegen zwischen 2,5 % und 5 % der gesamten geleisteten Beiträge.

Beispiel: Provision bei einem Versicherten mit 30 Jahren bis zur Rente

Monatlicher Beitrag: 200 Euro

Laufzeit: 30 Jahre

Beitragssumme: 200 Euro x 12 Monate x 30 Jahre = 70.000 Euro

Die Beitragssumme dient als Basis für die Berechnung der Provision:

0,025 (2,5 %) x 70.000 Euro = 1.750 Euro

0,05 (5 %) x 70.000 Euro = 3.500 Euro

Gehen wir von 5 Prozent Provision aus, fließen in diesem konkreten Beispiel die ersten 1,5 Jahre an Beiträgen theoretisch in die Finanzierung der Provision. Das bedeutet auch, dass die Summe der fast 18 Monatsbeiträge nicht angespart und auch nicht verzinst wird. Hinzu kommen noch höhere Kosten für die Verwaltung, sodass man von sieben bis zehn Prozent an Kosten ausgehen muss.

Die Spanne der marktüblichen Provisionen ist also breit und die Provision kann durchaus noch höher liegen. Man sollte vor einer Kündigung der Lebensversicherung damit rechnen, dass rund 30 Prozent der monatlichen Einzahlungen in den ersten Jahren an den Versicherungsmakler fließen und entsprechend bei der Rückkaufsumme im Falle einer Kündigung fehlen.

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Gegenüberstellung Nettopolice vs. Bruttopolice

Nettopolice „Honorartarif“ Bruttopolice „Provisionstarif“
Hohe Kostentransparenz, da festes Honorar vorab vereinbart wird Intransparent, da Provision (Abschluss und Betreuung) nicht offengelegt wird
Unabhängig, da Honorar direkt mit Kunden vereinbart wird Abhängigkeit vom Versicherer, der Provisionen vergibt
Schneller Kapitalaufbau Langsamer Kapitalaufbau, da Beiträge zunächst Provisionen finanzieren
Geringe Produktkosten, nur geringe Verwaltungskosten Hohe Produktkosten z. B. durch Vertriebs- und höhere Verwaltungskosten
Ohne Zusatzkosten bei Vertragsänderungen (Dynamik, Beitragsanpassung etc.), ggf. geringe Stornokosten Zusätzliche Kosten bei Vertragsänderungen oder vorzeitiger Kündigung
Hoher Rückkaufswert Niedriger Rückkaufswert durch Stornogebühren oder Abschlusskosten

Sind Nettopolicen wirklich besser?

Wie das obige Beispiel zeigt, kann es durch hohe Provisionen erhebliche Unterschiede im Ertrag aus einer Bruttopolice verglichen mit einer gleichwertigen Nettopolice geben. Nettopolicen sind durch die Abkoppelung vom Provisionssystem meist kostengünstiger und sie bieten oft eine höhere Rendite, was sich auf die ausgezahlte Rente oder eine Einmalzahlung am Ende der Laufzeit auswirkt.

Daneben bieten Nettopolicen mehr Transparenz. Während der Versicherer bei Bruttopolicen nicht dazu verpflichtet ist, die Höhe der einzelnen Posten der Provision auszuweisen, stellt der Versicherungsexperte bei der Nettopolice eine separate Rechnung über die Beratungsleistung. So kann der Kunde die Kosten besser nachvollziehen und prüfen.

Übrigens: Es ist aus Sicht des Vermittlers immer leichter, eine Provisionspolice zu vermitteln und nicht über die Kosten sprechen zu müssen, als eine Honorarpolice anzubieten und sein Honorar haarklein rechtfertigen zu müssen.

Bruttopolicen spielen unseriösen Vermittlern in die Hände, wenn diese quasi dafür belohnt werden, leistungsschwache und zu hoch dotierte Verträge zu vermitteln, die mit einer lukrativen Abschlussprovision winken. Vermittler von Nettopolicen können häufig unabhängiger arbeiten und sie müssen eine gute Beratungsleistung zeigen, um zu überzeugen. Zudem gut für die Verbraucher: Über die Höhe des Honorars können Versicherungsvermittler Wettbewerb betreiben.

Zusätzliche hohe Renditen versprechen Nettotarife in Kombination mit Indexfonds. Indexfonds kommen ebenso mit niedrigen Verwaltungsgebühren aus als vergleichbare aktiv gemanagte Fonds.

Noch ein Vorteil: Nettopolicen bilden sofort hohe Rückkaufswerte. Somit können Versicherte bereits frühzeitig im Bedarfsfall Kapital entnehmen oder die Police beitragsfrei stellen. Generell ist eine Nettopolice flexibler, sodass Anpassungen, wenn überhaupt, mit viel geringeren Gebühren verbunden sind.