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Run-off-Geschäfte mit Lebensversicherungen

von | Aug 2, 2019 | Lebensversicherung | 0 Kommentare

Stellen Sie sich vor, Ihre Lebensversicherung wird ab sofort nicht mehr von Ihrem Versicherer verwaltet, bei dem Sie diese vor Jahren abgeschlossen haben – und Sie bekommen das nicht einmal mit? So geht es gerade vielen Versicherten der Skandia Leben, Clerical Medical oder Heidelberger Leben, deren Verträge in einem sogenannten Run-off-Geschäft von der Viridium Gruppe aufgekauft wurden. Äußerlich ändert sich nach Bestandsübertragungen eigentlich nichts: Die Korrespondenz läuft im Normalfall unter dem gewohnten Namen des Versicherers einfach weiter. In unserem Beitrag beleuchten wir, ob und was sich für die Versicherten ändert, wie der Kunde darauf reagieren kann und ob sich die Policen von diesen Lebensversicherungen aktuell überhaupt noch lohnen.   

Was genau ist ein Run-Off-Geschäft am Beispiel der Viridium Gruppe?

„to run off“ bedeutet unter anderem abfließen. Mit dem Begriff Run-off werden die aktuellen Verkäufe bzw. Übertragungen von Lebensversicherungen von Versicherern auf fremde Unternehmen bezeichnet. Unter anderem aufgrund der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase sehen sich aktuell viele Versicherungsunternehmen dazu gezwungen zu handeln. An der Spitze dieses in Deutschland noch jungen Geschäftsmodells steht die Viridium Gruppe, die aus der Heidelberger Leben Gruppe umfirmiert wurde. Neben deren Altbeständen an Lebensversicherungen verwaltet diese auch Policen von Clerical Mediacal, immerhin einem der ältesten Lebensversicherer in Europa, und Skandia Leben.

Das Besondere ist, dass auf Plattformen wie der Viridium Gruppe keine neuen Lebensversicherungen verkauft, sondern ausschließlich bestehende Verträge bis zum Ende fortgeführt werden. Die Heidelberger Leben hatte ja bereits zum 1. Juli 2014 ihr Neugeschäft eingestellt und keine neuen Verträge mehr abgeschlossen. Dabei sind die Viridium Gruppe bzw. deren Gesellschaften eine Versicherungsgesellschaft mit allen Rechten und Pflichten auch im Hinblick auf die geltenden Aufsichts- und Vertragsbedingungen.

Was Run-off-Geschäfte besser machen (wollen)

Was sich Unternehmen bei Run-off-Geschäften zunutze machen ist, dass viele der Versicherer, die ihre Lebensversicherungen verkaufen, mehrere und oftmals veraltete IT-Systeme nebeneinander betrieben haben. Allein eine moderne IT-Infrastruktur und ein einheitliches Bestandsführungssystem bringt Entlastung für die Verwaltung und spart immens Kosten. Stichworte: Digitalisierung der Kundenkorrespondenz, Senken der Bearbeitungszeit von Anfragen, Optimieren der Bearbeitungsschritte. Run-offs setzen also darauf die Altbestände deutlich günstiger verwalten zu können und von Effizienzgewinnen zu profitieren. Außerdem gilt: Je mehr Versicherungsverträge auf einer einzigen, gemeinsamen Plattform verwaltet werden, desto geringer die anteiligen Versicherungsverwaltungskosten pro Police.

Was sind die Folgen für Versicherte aus dem Run-off?

Wie gesagt, äußerlich ändert sich bei einem Verkauf der Lebensversicherung erstmal nichts für die Versicherten, sodass es durchaus vorkommt, dass Sie es gar nicht mitbekommen haben. Auch wenn man tiefer schaut wird deutlich, dass die Vertragsinhalte und Kundenrechte unangetastet bleiben und über die gesamte Laufzeit im vereinbarten Umfang eingehalten werden. Dass Versicherte durch die Umstellung schlechter gestellt würden, verhindert auch die Finanzaufsicht BaFin, die derart Geschäfte kontrolliert und dem Verkauf gar nicht erst zugestimmt hätte.

Die Versicherten können damit rechnen, dass sie alle garantierten Leistungen erhalten und auch an den Überschüssen beteiligt werden. Die Viridium Gruppe behauptet sogar, dass ihre Kunden von den Effizienzsteigerungspotenzialen des Geschäftsmodells „nach Maßgabe der Mindestzuführungsverordnung – in Form einer höheren Zuweisung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung und folglich einer höheren Überschussbeteiligung profitieren“ würden.

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Was ist für Kunden mit solchen Lebensversicherungen empfehlenswert?

Erstes Gebot heißt, als Besitzer einer umgestellten Police nicht überstürzt zu handeln, sondern zuvor mit einer darauf spezialisierten und unabhängigen Beratung wie LVoptimal.de alle Optionen zu besprechen.

 

Sie haben drei Optionen bei einem Run-off Ihrer Lebensversicherung

  1. Die Lebensversicherung beitragsfrei stellen
  2. Die Lebensversicherung kündigen
  3. Den Vertrag über die Lebensversicherung widerrufen

Die Lebensversicherung beitragsfrei stellen

Hier bleibt die Lebensversicherung auch ohne Beitragszahlung bestehen. Der Vorteil: Sie erhalten am Ende der Laufzeit wie ursprünglich festgelegt eine Versicherungssumme ausgezahlt.

 

Die Lebensversicherung kündigen

Hier erhält der Versicherte einen sogenannten Rückkaufswert ausgezahlt, der häufig sogar noch unter den bereits eingezahlten Beiträgen liegt, da Abschlusskosten abgezogen werden.

 

Den Vertrag über die Lebensversicherung widerrufen

Hier können Sie Ihr Widerspruchsrecht prüfen und ggf. geltend machen, sofern Sie Ihre Police zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen haben. Möglich ist dies aufgrund von nicht rechtskonformen Belehrungen.

Ausführlichere Infos zu Ihrem Widerspruchsrecht erhalten Sie hier:

https://kvoptimal.de/blog/lebensversicherung/korrekt-widerspruch-einlegen-bei-renten-und-lebensversicherungen

Fazit

Kritische Stimmen meinen, dass Run-off-Plattformen weniger Anreiz hätten, die Überschüsse für ihre Versicherten möglichst zu steigern oder dass sie ihre neu übernommenen Versicherten gar stärker darauf drängen würden, ihre Policen zu kündigen, um sie „loszuwerden“. Dagegen spricht, dass ein Erfolgsgeheimnis der Run-offs darin besteht, möglichst viele Verträge auf einer Plattform zu verwalten, damit die Effizienzsteigerung durch eine schlankere und moderne Verwaltung voll zum Tragen kommt. Daher sind die Aufkäufer von Lebensversicherungspolicen eher daran interessiert, ihre Versicherungsbestände zu halten und gut zu performen.