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Allianz senkt Rentenfaktor: Was bedeutet das für Ihre Rente?

von | Feb 19, 2021 | Allgemein | 0 Kommentare

Die Allianz senkt ihren Rentenfaktor 2021. Eine Nachricht, die nicht nur Schlagzeilen macht, sondern auch bei vielen Kunden zu Besorgnis führt. Denn zahlreiche Versicherte der Allianz Versicherung erhalten in den kommenden Wochen eine Mitteilung, dass ihr angespartes Kapital zukünftig weniger Rente erzielen könnte. Doch was genau hat es damit auf sich und wie können betroffene Kunden reagieren?

Was ist der Rentenfaktor?

Der Rentenfaktor ist ein Wert, mit dem das gebildete Kapital bei Rentenbeginn zu einer lebenslangen Rente umgerechnet wird. Er ist somit der Maßstab für die Höhe der Rentenleistung eines Versicherten. Die Formel zur Berechnung lautet Rentenfaktor x Kapital / 10.000 = Höhe der Rente. Damit lässt sich errechnen, wie viel Geld pro 10.000 Euro ein Kunde erhält. Ein Beispiel:

  • Angenommen, der Rentenfaktor beträgt 27,5 und der Versicherungsnehmer hat ein Kapital von 10.000 Euro: 27,5 x 100.000 / 10.000. Daraus resultiert eine Rente von 275 Euro im Monat.

 

Der Rentenfaktor kommt allerdings nicht nur bei Rentenbeginn zum Einsatz. Er wird auch bei Vertragsabschluss und jährlichen Standmitteilungen angewandt, womit der Versicherer eine garantierte Rente berechnet. In der Standmitteilung ist zudem vermerkt, wie hoch das aktuelle Guthaben ist und wann dieses ausbezahlt wird.

Umso höher der Rentenfaktor, desto höher fällt also die Rente aus. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei einem niedrigen Faktor die Rente geringer ausfällt. Sinkt bei der Allianz somit der Rentenfaktor, kann auch die Rentenleistung der Versicherten sinken.

Achtung: Eine Absenkung des Rentenfaktors verhindert eine seriöse Planung der Altersvorsorge.

Besonderheiten bei fondsgebundenen Renten

Bei einer garantierten Rentenversicherung steht von Anfang an fest, wie hoch die Rentenleistung ausfallen wird. Sie kann sich nur durch Überschüsse, die der Versicherer erwirtschaftet, erhöhen. Bei einer Fondsrente gibt es allerdings keinen Garantiezins. Da das Geld in Fonds investiert wird, können die Lebensversicherer nicht genau vorhersagen, wie sich das Guthaben entwickeln wird. Und damit auch keine Mindestrente garantieren. Allerdings können sie einen bestimmen Wert (den Rentenfaktor) je 10.000 Euro Fondsguthaben für eine Prognose festlegen. Auf dieser Rechnungsgrundlage lässt sich die zukünftige Rente zumindest teilweise ermitteln.

Warum sinkt der Rentenfaktor

Als Grund für den sinkenden Faktor führt die Allianz die anhaltende Niedrigzinsphase an. Denn reduziert sich der Rechnungszins, sinkt auch der Rentenfaktor. Und da dieser mit dem angesparten Guthaben verrechnet wird, fällt die Rente niedriger aus. Auch auf die gesetzliche Rentenversicherung nimmt der sinkende Garantiezins Einfluss.

Wie die Unternehmenssprecher gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigten, lag der Rechnungszins zuletzt bei 2,75 beziehungsweise 2,25 Prozent je nach Produkt. In Zukunft soll er nun auf 1,75 Prozent herabgesetzt werden.

Den Rentenfaktor zu senken ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Entweder, weil sich die Lebenserwartung der Versicherten merklich verändert oder der Kapitalmarktzins dauerhaft gesunken ist. Die Allianz beruft sich auf Letzteres. Dieser Umstand wurde bereits von einem Treuhänder der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN) bestätigt. Würde die Allianz den Rentenfaktor nicht senken, müsste sie das Kapital dem Geldmarkt entziehen und in sichere Anleihen investieren. Dadurch würden die Renditechancen niedriger ausfallen.

Der Wortlaut der Allianz zur Senkung des Rentenfaktors:

„Ihr aktueller Rentenfaktor basiert auf einem Rechnungszins von 1,75% . Diesen Rechnungszins passen wir auf 1,25% an. Dadurch ändert sich der Rentenfaktor von bislang 33,84 auf künftig 31,34”

 

Die Auswirkungen für Versicherte

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte die Allianz, dass das Unternehmen nicht damit rechnet, dass sich die aktuelle Senkung maßgeblich auf die Rentenhöhe auswirkt. Denn man wisse nicht, wie sich der Faktor bis 2030 entwickeln würde. Allerdings machte der Versicherer 2017 bereits Schlagzeilen, als er den Rentenfaktor vor vier Jahren schon gesenkt hat. Damals lag der Faktor bei 35,85 und reduzierte sich auf 30,06. 2021 erfolgt eine weitere Herabsetzung auf 27,12. Das entspricht einer Reduzierung von etwa 25 Prozent seit 2017.

Rente ab 2017 mit 100.000 Euro Guthaben: 300,60 Euro
Rente ab 2021 mit 100.000 Euro Guthaben: 271,20 Euro

In diesem Beispiel sinkt die Rentenleistung um 29,40 Euro im Monat. Geld, das den Kunden im Alter fehlt. Unter Berücksichtigung des Wertes vor 2017, fällt die Rente sogar um etwa 87 Euro im Monat geringer aus. Eine erhebliche Differenz, die auf ein Jahr bemessen mehr als 1.000 Euro entspricht.

Sinkt die Rentenleistung tatsächlich?

Generell gibt es die Möglichkeit, dass der Rentenfaktor in den kommenden Jahren wieder ansteigen wird. Allerdings steigt die Lebenserwartung der Menschen. Auch ist aktuell abzusehen, dass die Niedrigzinsphase noch lange anhält. Diese Umstände erschweren es den Versicherern, die lebenslangen garantierten Renten zu erhalten. Doch geht die Allianz nicht davon aus, dass die Rente nun tatsächlich niedriger ausfällt, wie der F.A.Z. berichtet wurde.

Laut dem Unternehmen sind hohe Renditen derzeit nur über die Anlage in festverzinste Wertpapiere möglich. Das allerdings widerspricht der Renditevorstellung einer Fondspolice. Verbraucherschützer zeigen sich daher besorgt, dass auch andere Lebensversicherer diesem Beispiel folgen könnten.

 

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Riester-Rente, Rürup-Rente, fondsgebundene Rente – welche Altersvorsorge ist von der Anpassung betroffen?

Bei der Allianz sind vor allem Fondsprodukte von der Anpassung betroffen. Sowie die Policen der Produktreihe Indexselect. Im Allgemeinen können auch Riester-Renten, Rürup-Renten, Lebensversicherungen und weitere Altersvorsorgeverträge angepasst werden, die zwischen 2001 und 2011 abgeschlossen wurden. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhalten rund 700.000 Kunden eine entsprechende Mitteilung von der Allianz.

Das können Versicherte tun, wenn die Allianz den Rentenfaktor senkt

Für Kunden ist es immer ärgerlich, wenn sie von ihrem Versicherer eine Mitteilung über die Senkung des Rentenfaktors erhalten. Dabei sollten sie jedoch nicht übereilt handeln, sondern zunächst ihre Optionen prüfen. Denn die private Altersvorsorge ist nach wie vor von großer Wichtigkeit, um die Rentenlücke im Alter zu schließen.

Wer durch die Senkung tatsächlich bei Auszahlung mit einer niedrigeren Rente rechnet, hat folgende Möglichkeiten, darauf zu reagieren:

 

  • Die Altersvorsorge höher besparen

Wer die finanziellen Mittel dazu hat, kann mehr Kapital in seinen Vertrag investieren. Dadurch steigt die Rentenhöhe an. Generell ist es bei einer privaten Altersvorsorge immer möglich, die Beitragszahlung zu erhöhen. Dabei muss lediglich der Höchstbeitrag des jeweiligen Produkts berücksichtigt werden. Doch kann es sein, dass die steuerlichen Vorteile des Altersvorsorgeprodukts bereits voll ausgeschöpft sind.

 

  • Die Anlagestrategie der fondsgebundenen Rentenversicherung überprüfen

Wer noch einige Jahre bis zur Rente hat, kann darüber nachdenken, eine risikoreichere Anlagestrategie bei der Fondsrente zu wählen. Dadurch sinkt zwar die garantierte Rentenleistung, allerdings erhöht sich die Renditechance. Und bei jungen Versicherungsnehmern lassen sich bei mehreren Jahren Laufzeit mögliche Verluste ausgleichen, sodass die Chance auf eine gute Rentenauszahlung besteht.

 

  • Eine alternative Rentenversicherung in Betracht ziehen

Es gibt unzählige Altersvorsorgeprodukte auf dem Markt. Unter Umständen kann es daher ratsam sein, ein alternatives Produkt in Betracht zu ziehen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der bestehende Vertrag wird gekündigt und der Rückkaufswert wird in ein anderes Produkt investiert.
Oder der Tarif bei der Allianz wird beitragsfrei gestellt und ein neuer Vertrag abgeschlossen. So wirtschaftet die Allianz mit dem eingezahlten Kapital weiter, während die Beiträge zukünftig in die alternative Altersvorsorge fließen. Im Rentenalter erhalten die Versicherten dann eine Rentenleistung und ggf. eine Auszahlung von Überschussbeteiligungen aus zwei unterschiedlichen Altersrenten.

 

  • Besonderheit Riester-Rente der Allianz

Das Vertragsguthaben einer Riester-Rente kann auf einen anderen Anbieter übertragen werden. Viele Versicherer garantieren den Rentenfaktor. Durch eine solche Vertragsumschichtung kann der Rentenwert zukünftig gesichert werden. Wir bieten bei Riester-Renten Sonderkonditionen an, welche frei von Abschluss- und Vertriebskosten sind. Dadurch wird ein Anbieterwechsel besonders lukrativ und bringt Sicherheit.

 

  • Besonderheit BAV Direktversicherung der Allianz

Häufig findet sich in den AVB der Allianz Direktversicherung ein niedriger Rentenfaktor. Auch wenn in den Vertragsbedingungen ein Hinweis auf den Rechnungszins und Sterbetafel zu finden ist, gibt die Allianz den Rentenfaktor als garantiert an. Hier ist eher zu bedenken, dass ein Rentenfaktor um 15 Euro eine geringe Mindest-Renten-Leistung im Wettbewerbsvergleich darstellt. Vermutlich wird in diesem Bereich nicht weiter gekürzt. Es gilt aber, die Vertragsbedingungen zu lesen oder durch unabhängige Beratungshäuser lesen zu lassen. Niedrige Rentenfaktoren werden vielleicht nicht gekürzt, führen aber zu einer geringen Rentenzahlung.

 

Exkurs: Harter und weicher Rentenfaktor
Nahezu alle Rentenfaktoren sind garantiert. Allerdings wird diese Garantie in eine harte und weiche Garantie (harter und weicher Rentenfaktor) unterschieden. Oftmals gibt es in den Vertragsbedingungen aufweichenden Klauseln, welche dem Versicherer trotz Garantie ermöglicht, den Rentenfaktor zu kürzen. Deshalb ist es wichtig, die AVB des Vertrages zu lesen und den Rentenfaktor genaustens zu analysieren.

Darauf müssen Sie beim Neuabschluss einer Rentenversicherung achten

Bei einem Wechsel des Anbieters sollten verschiedene Gesellschaften überprüft werden. Dabei ist es sinnvoll, den jeweiligen Rentenfaktor zu vergleichen und Policen mit einem harten Rentenfaktor ohne Treuhänderklausel zu wählen. Denn dabei darf der Wert nicht gesenkt werden, da es sich um einen garantierten Rentenfaktor handelt. Und je nach persönlicher Situation können auch staatlich geförderte Produkte in Betracht gezogen werden.

Doch nicht nur der Rentenfaktor spielt für die Rendite eines Vertrages eine Rolle. Sondern auch die Abschlusskosten und Verwaltungsgebühren. Denn diese Kosten können das Kapital ordentlich schmälern. Auf die Höhe der Rente wirkt sich zudem die Anlagestruktur des Unternehmens aus.

Generell ist nicht jede Altersvorsorge immer gleich gut geeignet. So kann sich beispielsweise die Riester Rente aufgrund der Zulagen für kinderreiche Familien lohnen, während Gutverdiener eher von der Rürup-Rente mit ihrer staatlichen Förderung profitieren können. Auch klassische und fondsgebundene Rentenversicherungen können infrage kommen, doch eignen sich nicht für jeden Bedarf. Denn eine Rentenabsicherung muss immer das Einkommen, die persönliche Lebenssituation, aber auch die Zukunftsziele der Versicherten berücksichtigen.

Bei einem Wechsel des Anbieters oder dem Neuabschluss einer Altersrente gibt es einiges zu beachten. Daher ist es sinnvoll, einen unabhängigen Versicherungsexperten für alle Fragen und Anliegen rund um die Vorsorge hinzuzuziehen.

Rente und Altersvorsorge Beratung durch einen Experten

Die Beitragszahlung erhöhen, die Anlagestrategie ändern oder doch lieber ein neues Produkt abschließen? Jedes Vorgehen bietet Vor- und Nachteile. Welche Option geeignet ist, muss also individuell geprüft werden. Aus diesem Grund ist es ratsam, einen unabhängigen Versicherungsexperten zurate zu ziehen. Dieser ist nicht nur dabei behilflich, Alternativen zu prüfen. Er bietet auch die notwendige Unterstützung, um bedarfsgerecht und zuverlässig für das Alter vorzusorgen.  

Kostenfreie Zweitmeinung:
Wir bieten Ihnen an, Ihren Vertrag kostenfrei zu prüfen und eine objektive Zweitmeinung zu den Vertragsbedingungen, Klauseln und Vertragskosten zu erstellen. Für eine Vertragsauswertung brauchen wir eine Wertstandsmitteilungen von aufeinanderfolgenden Jahren (z.B. 2019 und 2020). Daraus können wir den Tarif, die Bedingungen und die Kostenquote ableiten.